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Stolperstein der Woche 12

 

 

Behindertengerecht Wohnen?

 

Kürzlich erreichte uns ein Schreiben einer jungen behinderten Frau, die in einer so genannten behindertengerecht adaptierten Genossenschaftswohnung lebt. Sie schreibt: „Trotzdem ich in einer behindertengerecht adaptierten Wohnung lebe, dies ein Neubau ist und auf `spezielle Bedürfnisse´ eingegangen werden konnte, ist das Erreichen der Tiefgarage für mich ohne Personenbegleitung nicht möglich. Der Lift fährt bis in den Keller, die Tiefgarage ist dann über sechs Stufen (ohne Rampe) erreichbar.“

Eigentlich unvorstellbar, dass trotz vorhandenem Lift einige Hausbereiche für behinderte Bewohner/innen nicht erreichbar sind, aber leider doch eine sehr häufige Erscheinung. Wieso es in diesem konkreten Fall nicht möglich war auf die sechs(!!) Stufen zu verzichten, ist nicht bekannt. Jedoch wird es wohl aus optischen oder sonstigen – eventuell bautechnischen - Gründen „notwendig“ gewesen sein. Manchmal gibt es ja ganz „plausible Gründe“. Einen dieser „plausiblen Gründe“ habe ich beim Bau meines Eigenheimes selbst kennen gelernt. Um sich das lästige Schneiden der Bauziegel zu sparen, haben die Maurer mein Haus einfach um rund 20 cm verschmälert.

Eine andere interessante Begebenheit beim Bezug einer behindertengerechten Genossenschaftswohnung hat uns ein junger Mann (E-Rollstuhlbenützer) berichtet. Als er sich vor zwei Jahren bei einer Wohnbaugenossenschaft um eine behindertengerechte Wohnung bewarb, wurde ihm zugesichert, dass eine Wohnung seinen Erfordernissen entsprechend umgebaut wird. Es wurde ihm eine Wohnung zugewiesen und die erforderlichen Umbaumaßnahmen vereinbart. Im Zuge der Umbauplanungen hat sich herausgestellt, dass eine andere Wohnung im selben Haus für den jungen Mann besser geeignet wäre. Was für den neuen Mieter auch kein Problem darstellte. Erst später stellte sich heraus, dass der ebenfalls gemäß den Wünschen des jungen Mannes gestaltete überbreite und überdachte Parkplatz von diesem nun nicht benützt werden kann, da dieser der ihm ursprünglich zuerkannten Wohnung zugewiesen ist. Zu seiner Wohnung gehört ein Tiefgaragenplatz, den er mangels Lift jedoch lediglich über die sehr steile Autoauf- und abfahrt erreichen kann. Die schneearmen Winter letzten und heurigen Jahres haben gröbere Probleme beim Erreichen der Tiefgarage bisher  glücklicherweise vermieden!

20. Feber 2005

Ernst Kočnik

 

 

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