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Stolperstein der Woche 29


Sackgasse Frachtenbahnhof

Ein barrierefreies Klagenfurt wünschen sich wohl alle dort lebenden und die Landeshauptstadt besuchenden Menschen mit Behinderungen. Wie allgemein bekannt ist, gehört Österreich bezüglich Barrierefreiheit nicht zu den führenden Nationen und die Kärntner Landeshauptstadt fällt in einem Österreichvergleich noch weiter ab. Obwohl es in den letzten Jahren einige Fortschritte gab,  stellen Menschen mit Behinderungen in Klagenfurt bei Neu- und Umbauten immer wieder gravierende Mängel fest.

So wie jüngst bei der Eröffnung einer Unterführung im Bereich des Frachtenbahnhofes. „Verkehr rollt wieder durch Unterführung Lastenstraße“ betitelte die „Klagenfurter Stadtzeitung“ in ihrer Ausgabe vom 9. Juni 2005 einen Beitrag über die Eröffnungsfeier. Die Fertigstellung erfolgte zwei Monate früher als geplant, freuen sich hochrangige Vertreter/innen der Stadtpolitik. Jedoch die Freude der Rollstuhlbenützer/innen hält sich in Grenzen. Zwar ist es angenehm, dass erneut ein Nadelöhr im Klagenfurter Stadtverkehr entschärft werden konnte und der Verkehr - wie es so schön heißt - wieder fließt, aber noch angenehmer wäre es, wenn nicht nur an die Autofahrer/innen, sondern auch an die Bedürfnisse behinderter Verkehrsteilnehmer/innen gedacht worden wäre. Die städtischen Planer/innen haben in Bezug auf die Steigung wohl aus Fehlern vergangenerBild: Hinweisschild "Sackgasse" Unterführungsgestaltungen gelernt, aber was nützt es einem Menschen im Rollstuhl, wenn er zwar gut durch die Unterführung kommt, jedoch dann aufgrund einer ca. 16 cm hohen Stufe und einem zu schmalen Bereich mit Abschrägung quasi in der Sackgasse landet. Aber auch Rollstuhlfahrer/innen, die diese Hürden überwinden können, und somit vom Gehweg auf  die Straße gelangen, können sich ihres Erfolges nicht lange erfreuen. Sie stellen fest, dass sie eine sehr stark frequentierte Straße ohne Fußgängerübergang überqueren müssen. Bei der ersten Begehung dieses neuen Straßenstücks durch uns (zwei Personen im Rollstuhl und ein Mensch mit Sehbehinderung) kam der erst kürzlich wieder fließende Verkehr kurzfristig zum Erliegen, ca. 20 aus drei Richtungen kommende Fahrzeuge mussten stoppen, damit wir die Straße überqueren konnten. Endlich auf der anderen Straßenseite angekommen, freuten wir uns über eine notdürftig angebrachte Abschrägung der Gefahrenzone entkommen zu sein. Jedoch auch hier währte die Freude lediglich 20 Meter weit. Wieder standen wir vor einer Stufe mit ca. 16 cm Höhe.

Bild: Unterführung LastenstraßeBild: Unterführung Lastenstraße

Ein mit der Sachlage konfrontierter Magistratsbeamter der Bauabteilung, meinte dazu einfach: „Was hat ein Rollstuhlfahrer am Frachtenbahnhof zu tun?“

Nun ja, es gibt ja wirklich viele Orte, an denen behinderte Menschen nichts zu suchen haben, aber den Frachtenbahnhof würde ich nicht dazu zählen, reisen doch viele behinderte Menschen bekanntermaßen im Frachtwaggon.

Dazu ein Artikel der Kleinen Zeitung vom 19.12.2003:

Behinderte in Frachtwaggon - Die französische Staatsbahn SNCF braucht keinen Schadenersatz an drei Rollstuhlfahrer zu zahlen, die in einem Gepäckwagen reisen mussten, weil ihnen niemand geholfen hatte, in den Personenwagen zu gelangen. Das Unternehmen sei strafrechtlich nicht für das Verhalten seiner einfachen Angestellten verantwortlich, entschied das Gericht.

Bild: Hauptbahnhof Klagenfurt, taktiles LeitsystemAus Klagenfurt gibt es jedoch auch Positives zu berichten. Bei der oben erwähnten Begehung sahen wir uns auch den kurz vor der Fertigstellung befindlichen neuen Hauptbahnhof in Klagenfurt an und stellten fest, dass es endlich auch in Klagenfurt ein Gebäude gibt, das über ein taktiles Leitsystem verfügt! Außerdem können nun sämtliche Bahnsteige auch von Rollstuhlfahrer/innen mittels Aufzügen erreicht werden.

Einziger Wermutstropfen der Bahnhofsbesichtigung: Die mit einem Euroschloss versehene Tür zum Behinderten-WC lässt sich kaum öffnen. Dieses Manko sollte jedoch schon bald behoben sein, versprach man uns von Seiten der ÖBB.

 

Ernst Kočnik

19. Juni 2005

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