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Stolperstein der Woche 36

 

Wirklich behindertentauglich?

Es ist nicht immer drin, was draufsteht! Eine Erfahrung, die wir alle immer wieder machen. So auch die bereits seit Jahren mit ihrem behinderten Sohn in Österreich urlaubende deutsche Familie Flotzinger aus Tumeltsham, die ihrem Ärger mit folgendem am 31. Juli 2005 in der Kleinen Zeitung erschienenen Leserbrief Luft machte:

„Wir verbringen seit Jahren mit Kindern – Lukas (6) ist schwerst behindert – den Urlaub in Oberkärnten. Das war immer sehr positiv. Leider machten wir heuer mit den Reißeck-Bergbahnen eine negative Erfahrung. Obwohl in der Broschüre der Kärnten-Card für die Bahn das Symbol behindertentauglich steht und uns die Kassen-Dame sagte, dass die Benützung mit Rollstuhl bzw. Behindertenbuggy problemlos möglich sei, war es anders.

Wir mussten drei Mal umsteigen, dabei gibt es keine Rampen. Ein Umsteigen war nur mit zwei Begleitpersonen möglich, da es das Personal nicht der Mühe Wert fand, zu schauen, dass wir einen optimalen Platz kriegen. Auf die Frage nach der Behindertentauglichkeit meinte ein Bediensteter ziemlich unfreundlich, man sei eben auf dem Berg und nicht im Flachland. Wir sollten das denen sagen, die das Symbol in die Broschüren geben.“

Wie viele Kultur-, Urlaubs- und Freizeitangebote, die als behindertengerecht angepriesen werden, sind es wirklich? Nur weil ein Hotel oder ein anderes Gästehaus bereits einmal einen Menschen im Rollstuhl beherbergt hat, ist es noch lange nicht behindertentauglich. Diese Erfahrung habe ich selbst vor einigen Jahren gemacht, als ich über ein Reisebüro einen Urlaub am Meer buchte. Der von mir gebuchte Bungalow war wirklich alles andere als barrierefrei, obwohl mir versichert wurde, dass bereits mehrmals Personen im Rollstuhl dort gewohnt hätten. Zugegeben, die Stufe bei der Eingangstür war mit ca. 4 cm kein Hindernis. Jedoch wie man mit dem Rollstuhl ein Bad und WC in das man nicht einmal mit einem unter 60 cm breiten Rollstuhl kommt, benützen kann, ist mir ein Rätsel.

Es ist nicht immer drin, was draufsteht! Eine Erfahrung, die behinderte Menschen solange begleiten wird, bis eine Beurteilung der Angebote auf deren Barrierefreiheit nach von Menschen mit Behinderungen erstellten Kriterien und durch diese selbst erfolgt. Lediglich von behinderten Menschen selbst geprüfte Angebote dürfen das Prädikat „Barrierefrei“ erhalten und vor allem darf Barrierefreiheit nicht lediglich mit Rollstuhlgängigkeit gleichgesetzt werden!

 

Ernst Kočnik

7. August 2005 

 

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