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Stolperstein der Woche 5

 

Führerschein mit Behinderung

Tagtäglich verhelfen Fahrschulen einer Vielzahl von Personen zu mehr Mobilität. Für den Großteil der Bevölkerung ist dies mit relativ wenig Aufwand verbunden: man geht zu einer Fahrschule, meldet sich zum Fahrkurs an, absolviert diesen, legt die Prüfung ab, bezahlt, und bekommt den „rosa Schein“.

Nicht so einfach stellt sich die Angelegenheit für behinderte Menschen dar, den Weg zum Führerschein säumen häufig schier unüberwindbare Barrieren. Jedoch gerade für Menschen mit Behinderungen kann sich fehlende Mobilität als Hindernis in vielen Lebensbelangen herausstellen: es ist schwer einen Arbeitsplatz zu bekommen, öffentliche Verkehrsmittel sind für sie vielfach nicht benutzbar, insgesamt ist das Gelangen von einem Ort zum anderen aus verschiedensten Gründen schwierig. Für Menschen mit Behinderungen ist es daher sehr wichtig, möglichst selbst ein Fahrzeug benützen zu können!

Nur wenige Fahrschulen verfügen über behindertengerecht adaptierte Fahrschulfahrzeuge. Das Ausleihen eines geeigneten Fahrzeuges von einer/einem Bekannten ist versicherungstechnisch riskant, eine Anmietung kostspielig und sich die Fahrpraxis bei einer viele Kilometer entfernten Fahrschule, die über ein umgebautes Fahrzeug verfügt, zu holen ist auch nicht gerade billig und leicht realisierbar. Viele sehen daher den leichtesten und einfachsten Weg gleich in der Anschaffung eines eigenen, auf die individuellen Bedürfnisse adaptierten Fahrzeugs noch vor der Erlangung der Lenkberechtigung. Allerdings dieses Vorgehen birgt einige zu bedenkende Unannehmlichkeiten: So ist es schwierig, ohne vorher bereits selbst mit einem umgebauten Kfz gefahren zu sein, die individuellen sowie auch die behördlich vorgeschriebenen Umbauerfordernisse zu kennen. Vor dem Ankauf eines Kfz, das adaptiert werden muss, sollte jedenfalls der jeweils zuständige Sachverständige der Kfz Landesprüfstellen zur Klärung der erforderlichen Umbauten oder Änderungen kontaktiert werden, um kostenintensiv durchgeführte Adaptierungen, die sich nachher als nicht ausreichend oder als nicht notwendig herausstellen zu vermeiden. Um in den Genuss von Förderungen für den Kfz-Ankauf zu kommen, muss zum Teil nachgewiesen werden, dass das Fahrzeug zur Erreichung des Arbeitsplatzes oder dem beruflichen Wiedereinstieg dient, was vielfach nicht möglich ist, da ja eine berufliche Tätigkeit erst mit dem Führerschein möglich wird. Ein weiterer zu bedenkender Punkt ist auch, dass man als Antragsteller/in für einige Förderungen bereits über eine Lenkberechtigung verfügen muss. Nachdem das in diesem Fall nicht möglich ist, muss der/die Antragsteller/in glaubhaft machen, dass das Kfz überwiegend für seine/ihre persönliche Beförderung genutzt wird und er/sie mit dem/der Lenker/in im gemeinsamen Haushalt lebt. Allein lebende oder mit einer ebenso nicht mit Lenkberechtigung ausgestatteten Person zusammenlebende behinderte Menschen stehen hier vor einem zusätzlichen Problem.

Im Juni 2002 hat das Beratungs-, Mobilitäts- und Kompetenzzentrum (BMKz) eine schriftliche Erhebung bei Kärntner Fahrschulen durchgeführt, um festzustellen, wie sich die Situation in Kärnten bezüglich der Erlangung eines Führerscheines für Menschen mit Behinderungen darstellt.

Aus den Befragungsergebnissen kann geschlossen werden, dass vermutlich zumindest ein Drittel der Kärntner Fahrschulen bereits Erfahrungen bezüglich einer Führerscheinprüfung von Menschen mit Behinderungen, sei es durch Anfragen oder auch durch Absolvierung eines Fahrkurses, haben. Mit von den einzelnen Fahrschulen zur Verfügung gestellten Fahrzeugen dürften lediglich Menschen mit "geringen" Einschränkungen einen Fahrkurs und die abschließende Führerscheinprüfung absolviert haben. Führerscheinkandidat/inn/en mit schwereren Beeinträchtigungen/Behinderungen dürften vermutlich zumeist ein eigenes, ihren Bedürfnissen angepasstes Fahrzeug mitgebracht haben.

In Kärnten hat sich die Situation seit 2002 nicht verändert. Wünschenswert wäre, wenn zumindest einigermaßen flächendeckend geeignete Fahrschulfahrzeuge zur Verfügung stünden, damit auch behinderte Menschen in einer wohnortnahen Fahrschule zu ihrem Führerschein kommen können.

2. Jänner 2005

Ernst Kočnik

 

 

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