Psychophysiologie des photopischen Sehens
( =Sehen bei Tageslicht bzw. Farbensehen) und des skotopischen Sehens ( = Sehen bei Dämmerung bzw. Schwarz- Weiss-Sehen)


In der Mitte des binokularen(= "zweiäugigen") Gesichtsfelds überlappen sich die beiden monokularen (= "einäugigen") Gesichtsfelder. Durch Bewegen der Augen erweitert sich das Gesichtsfeld zum Blickfeld.

Unter Skotom versteht man den Verlust der visuellen Empfindung in einem Teil des Gesichtsfeldes (= Gesichtsfeldausfall). Im Gesichtsfeld jedes Auges gibt es ein physiologisches Skotom, den blinden Fleck.

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BF: blinder Fleck
Abb.17-1

Gesichtsfeldmessung mit dem Perimeter und Bestimmung der Sehschärfe
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Bei Tageslicht stimmen Fixationspunkt und Stelle des schärfsten Sehens überein; die Überprüfung der Sehschärfe ( = Stelle des schärfsten Sehens bzw. Visus ) erfolgt mit Sehprobentafeln (Abb.17-1).

Physiologische Definition ( mit Hilfe der Landolt-Ringe)


Alpha ist die Lücke, die von der Versuchsperson in einem Landoltring gerade noch erkannt wird, in Winkelminuten.
Visus ist 1, wenn Alpha=1 Winkelminute ist.
Photopisches Sehen wird durch die Zapfen vermittelt, es ist farbig und fixationsscharf.
Skotopisches Sehen in der Dämmerung wird durch die Stäbchen vermittelt.

"Die Lichtempfindlichkeit der Stäbchen und Zapfen der Netzhaut passt sich über Adaptionsprozesse an die Helligkeit der Umgebung an."

Nachtblindheit (Hemeralopie) bzw. eingeschränkte Dunkeladaptation tritt auf, wenn nicht ausreichend Vitamin A mit der Nahrung aufgenommen wird; es gibt aber auch angeborene Formen.


Dunkeladaption: erst allmähliche Anpassung an die verringerte Helligkeit; laut Dunkeladaptionskurve wird die größte Empfindlichkeit des Auges erst nach Dunkelaufenthalt von über 30 min erreicht.

Helladaption: beim abrupten Übergang in eine sehr helle Umgebung kommt es zu sehr starker Aktivierung der Netzhautrezeptoren ("Blendung"); Anpassung an die Umgebungshelligkeit ( < 1 min).

Es können aber auch umschriebene Abschnitte der Netzhaut unterschiedlich stark an Licht adaptiert werden ( = Lokaladaptation), was zu Nachbildern führt, weil z.B. beim Wechseln der Fixation ein gleichmäßiger Lichtreiz ( z.B. Lichtreiz des weissen Papiers bei Abb.17-3 A) auf unterschiedlich adaptierte Netzhautrezeptoren trifft; bei den dunkeladaptierten Rezeptoren kommt es zu stärkerer Erregung.

"Kontraste werden im visuellen System besonders gut wahrgenommen; dies verbessert die Sehschärfe und das Gestaltsehen; Lichtwahrnehmungen gibt es aber auch ohne Lichteinwirkung auf die Retina."

Simultankontrast. Ein physikalisch identischer Reiz wird in Abhängigkeit von seiner Umgebung unterschiedlich wahrgenommen.
Der graue Kreis erscheint auf dunklem Hintergrund deutlich heller als auf hellem ( vgl. Abb. 17 - B ). Bei genauer Betrachtung erscheint der äußerste Rand des Graukreises bei dunklem Hintergrund besonders aufgehellt, während bei hellem Hintergrund ein dunkles Band den Graukreis umgibt
( = Mach-Bänder bzw. Mach-Streifen).


"Bei schnellem Wiederholen von Flimmerlicht erscheint dieses als Dauerlicht; dies wird beim Film, beim Fernsehen und an Computerbildschirmen ausgenutzt."

Wird Licht zuerst langsam und dann immer schneller ein- und ausgeschaltet, kann man den Hell-Dunkel-Wechsel beim skotopischen Dämmerungssehen bis zu einer Frequenz von 22-25 Lichtreizen pro Sekunde, beim photopischen Tagessehen sogar bis zu 30 Lichtreizen pro Sekunde auflösen. Danach erscheint das Licht als Dauerlicht.

· Die Flimmerfusionsfrequenz im photopischen Bereich ist deutlich von der Intensität des Lichtreizes abhängig - bei sehr hellem Licht - Maximum 90 Lichtreize pro Sekunde.

In der Film- und Fernsehtechnik nutzt man auch den Effekt der Scheinbewegung (= Phi-Phänomen) aus. Sie lässt sich am einfachsten bei Lichterketten beobachten, die so geschaltet sind, dass kurz nach Erlöschen des einen Lichtes, das andere angeht (z.B. hin- und herspringende Blinker bei Straßenbahnen).